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Mettenheim und Weinbau, zwei Begriffe, die zusammengehören. Wer kennt nicht die berühmten Lagebezeichnungen: Michelsberg, Schloßberg und Goldberg! Noch vor etwa 50 Jahren war Mettenheim ein Dorf mit rein landwirtschaftlichem Gepräge, doch ist es in letzter Zeit mehr und mehr zu einer Wohngemeinde mit rund 1500 Einwohnern (2002) geworden. Heute sind es nur noch ca. 34 Vollerwerbsbetriebe, überwiegend Familienbetriebe und auf den Weinbau spezialisiert. Daneben sind etliche Nebenerwerbsbetriebe entstanden, die Spargel und Wein anpflanzen. 270 Hektar, etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche, sind in Mettenheim mit Reben bestockt. Ein Blick in die Weinberge zeigt die Hangterrassen, auf denen, überwiegend windgeschützt, bei viel Sonne Weine heranreifen, die nicht nur in der näheren Umgebung für ihre außergewöhnliche Güte bekannt sind. |
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Wer mehr über Wein und Weinbau erfahren möchte, begibt sich auf einen Spaziergang entlang des Weinwanderweges. Beginnend in der Nähe der Winzergenossenschaft, vorbei an einem Brunnen, windet sich der Lehrpfad vom Dort hinauf in die Weinberge. Ein zunächst dicht bewachsener Weg führt den Besucher zum Michelsberg. Auf anfangs schönem Pflaster, vorbei an Weinbautechnik vergangener Tage, "erwandert" man sich nach und nach MettenheimerWeinlagen und dort angepflanzte Rebsorten. Sozusagen als "Belohnung" für diesen Aufstieg genießt der Wanderer einen herrlichen Ausblick auf Ort und Gemarkung. Bei guter Fernsicht liegt die gesamte Rheinebene im Blickfeld, be-grenzt von Odenwald, Taunus und Donnersberg. |
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ein mit Säulen und Rundbogen 1847 errichtetes Sommerhaus, erinnert an eine dem Heiligen Michael geweihte Kapelle, die hier im 15. Jahrhundert stand. Nach einer Ortssage wurde sie von einer Nonne gestiftet. Der tägliche Trunk aus einer in der Nähe liegenden frischen Quelle ließ sie, die an einer unheilbaren Krankheit litt, wieder gesunden. In tiefer Dankbarkeit schuf sie an dieser Stelle die Kapelle. Die Quelle ist noch vorhanden, der Name der Weinbergslage erinnert daran; Hellborn (Heilquelle). |
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Ob der Wein, der heute aus den Trauben gewonnen wird, womöglich heilende Wirkung hat, ist nicht bekannt. Die Traubenlese von Hand scheint aber gerade in einer Zeit Freude zu machen, in der die maschinelle Lese vorherrscht. Vorbei sind die Zeiten, in denen Scharen Erwachsener und Kinder, bestückt mit Schere und Eimer, in die Weinberge ausschwärmten und die Rebstöcke "erleichterten". Das gemeinsame Mittagessen am Feldrand mit entsprechendem Haustrunk und das alljährliche Fest am Ende der Lesezeit; wer erinnert sich nicht gerne? Das gemeinsame Erlebnis zwischen Leser, Helfer und Winzerfamilie, verdrängt durch die Notwendigkeit zur Rationalisierung. Dass der Einsatz moderner Technik nicht mit Qualitätsverlust einhergeht, beweist eine Gruppe Mettenheimer Winzer. Sie geben einem trockenen Rieslingswein besonderer Güte einen ebenso ungewöhnlichen wie geschichtsträchtigen Namen: Casimir. |
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Casimir, der mittlerweile auch einem vorzüglichen Sekt seinen Namen gibt, erinnert an den ehemaligen Eigentümer von Mettenheim, Graf Casimir Kolb von Wartenberg, Bis 1690 herrschten die Grafen von Leiningen, woran übrigens noch heute die rote Adlerklaue im Ortswappen erinnert. In der Folgezeit brachten die neuen Eigentümer, der Frankfurter Bankier Campoing und später die Kolbs von Wartenberg, den Bewohnern mehr Leid als Freud. Allein unter der Regentschaft von Graf Casimir blüht Mettenheim ab 1726 auf. Die Auswirkungen der Französischen Revolution bedeuten nicht nur das Ende der Kolb'schen Herrschaft über Mettenheim, sondern auch die nahezu völlige Zerstörung der Residenzbauten (Schloß, Gärten, Fasanerie). Der Zorn der lange unterdrückten Menschen verschont nur die evangelische Barockkirche, das Rathaus und das Gräfliche Rentamt. |
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Die Kolbs von Wartenberg haben die evangelische Pfarrkirche, deren Turm zwischen den Rebzeilen hervorlugt, von 1748 bis 1756 vom Osthofener Maurermeister Blattner planen und erbauen lassen. Um sich selbst einen gebührenden Platz im Innern des dem Heiligen Bartholomäus geweihten Gotteshauses zu reservieren, hatten die Grafen einen angemessenen Bereich vorgesehen, der an eine Theaterloge erinnert. Von diesem Platz aus haben sie sicher oft dem Klang einer direkt gegenüber untergebrachten Orgel gelauscht. Die Rede ist von der 1762 durch die Hunsrücker Orgelbauerfamilie Stumm errichtete Orgel. Nahezu vollständig erhaltene Exemplare sind selten. Die Stumm-Orgel Mettenheim, nicht nur bei kirchlichen Anlässen zu hören, zählt mit Sicherheit dazu. Die Renovierung der Bausubstanz zwischen 1960 und 1981 schloss mit der Neueinschieferung und Überarbeitung des Kirchturmes ab. |
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Das Rathaus, schräg gegenüber der Kirche, stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und hat alle Zerstörungen des 3Qjährigen Krieges überdauert. Typisch für den Wonnegau ist das massiv gemauerte Untergeschoss mit ursprünglich offener Halle. Falls hier nicht gerade ein Teil des einstmals bedeutenden Mettenheimer Marktes abgehalten wurde, diente der Platz zu öffentlichen Gerichtsverhandlungen. Das in einer Fachwerkkonstruktion ausgebildete Obergeschoss nahm früher Sitzungssaal, Archiv und Schreibstube auf. Der Weg "auf das Rathaus (daher die Redewendung) führte über einen vorgesetzten runden Treppenturm mit links drehender Sandstein-Wendeltreppe: eine Mettenheimer Besonderheit. |
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Vom Rathaus entlang der Hauptstraße gibt es viele geschmackvoll hergerichtete Winzerhöfe und interessante Details, wie z.B. einen schönen Hofeingang, zu entdecken. Dabei ist deutlich der Wunsch der Bürger zu spüren, den dörflichen Charakter und die Natürlichkeit zu bewahren. |
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